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"Memoria. Im Licht" - Rauminstallation von Elke Maier am Kaisergrab

Visualisierung_Bamberger Dom_c_ElkeMaier
Datum:
Termin: 11.7.24 0:00 - 29.9.24 0:00

Im Gedenken an den 1000. Todestag Kaiser Heinrichs II. lenken tausende feinster Fäden den Blick zum Kaisergrab, spannen sich vom Gewölbe des Bamberger Doms hinab, reflektieren und bündeln das Licht.

Unzählige weiße Fäden oszillieren je nach Lichteinfall im ständigen Übergang von sichtbarer zu unsichtbarer Anwesenheit, kommen erst im Dialog mit dem Licht zur Erscheinung, begegnen von sich her, prozesshaft, oft nur für Augenblicke.
Wenn das Licht durch die Fenster auf das Kaisergrab in den Ostchor einfällt und die ersten Fäden berührt, kann man warten, bis ein Faden nach dem anderen im Licht erglüht, bis die weißen Fäden aus dem dunklen Hintergrund hervorzutreten beginnen, indem sie das Licht reflektieren. Ohne Lichteinfall hingegen bleiben die Fäden im Halbdunkel des Raumes, man sieht sie nicht, sie sind aber dennoch da.
Durch das Wandern und Wechseln des Lichts sind im Tageslauf immer wieder andere Partien der Installation erleuchtet oder unsichtbar. Auch durch unsere eigene Bewegung, den Perspektivwechsel, wenn man einen Schritt zur Seite macht oder nach vorn. Das eben noch Gesehene kann verschwinden, verlöschen im Dämmerlicht. Man spürt die Präsenz von etwas, das, gerade noch da, nun gänzlich vertilgt scheint.

 

Entstehungsprozess des Werks: Ritual aus Disziplin, Präzision und Ästhetik
Elke Maiers Werk „MEMORIA. IM LICHT“ besteht aus einem einfachen Material: dünnem weißem Baumwollgarn, ganz gewöhnlichem Nähgarn, das die Künstlerin in einer ebenso aszetischen wie ästhetischen Anstrengung, in einem hunderte Stunden dauernden Entstehungsprozess des Werkes, Stunde für Stunde, Tag für Tag, Faden für Faden, in Hunderten von Fäden und Tausenden von Metern, vom Dachstuhl aus durch die Öffnungen im Gewölbe in den Ostchor des Domes herabließ, um dann einen Faden nach dem anderen einzeln in höchster Präzision im östlichen Kirchenschiff zu spannen, zu justieren und zu positionieren und dafür immer die Treppe zum Gewölbe hinauf und wieder hinab steigen musste. Da sie immer nur mit einem einzigen Faden von einem Ende des Raumes zum anderen gehen kann, dauerte es hunderte Stunden bis zur Vollendung ihres Werkes, dessen Idee, Entstehungsprozess und Form untrennbar verbunden sind mit der Authentizität dieses ganz besonderen Kirchenraumes, von daher einzigartig und auf keinen anderen Ort übertragbar.
Dabei handelt es sich nicht um eine punktuelle Intervention, sondern um eine Entwicklung des Werkes von Anfang an in kontinuierlichem Dialog mit dem Raum und dem im Raum wandernden Licht, wobei die Form des Werkes noch die prozessuale Bewegung seiner Entstehung erkennen lässt.
Die Fäden schaffen einen offenen transparenten Raum, der selbst keine Grenze hat und innerhalb architektonischer Grenzen ein Moment der Unendlichkeit schafft.

 

Verortung im Raum
Die Installation nimmt in der Konche über der Apsis im Ostchor ihren Ursprung: In dem Fresko, das mittig Christus in der Mandorla thronend mit ausgebreiteten Armen zeigt, in den beiden runden Öffnungen, die zu beiden Seiten der Hände Christi zu erkennen sind - Christi Fingerspitzen weisen auf sie - über den Köpfen des Hl. Georg in Rüstung mit Speer und Schild und des Hl. Petrus mit Schlüssel und Kirche. Diesen beiden Öffnungen entspringen die ersten Fadenstrahlen. Von hier aus entwickelt sich die Installation sukzessive von Ost nach West. Die aus weiteren auf der Mittelachse befindlichen Öffnungen im Gewölbe entspringenden Fäden werden im Ostchor in Richtung Kaisergrab gespannt und auf Gesimsen der Apsis-Fenster, am Geländer zwischen und seitlich der Chortreppe befestigt und über die gesamte Breite des Geländers aufgefächert. Weitere Fäden bilden noch weitere Fächer, die symmetrisch zu den südlichen und nördlichen Chorschranken ausgreifen.
Die Tumba des Heiligen Kaiserpaares, Ort der Memoria, des Gedenkens an die Bistumsgründer und Stifter des Domes, im Mittelalter Ziel großer Pilgerscharen, herausragendes Kunstwerk des Bildhauers Tilman Riemenschneider, steht mit dem 1000. Todestag Kaiser Heinrichs II. am 13. Juli 2024 neu im Mittelpunkt: MEMORIA, Im Licht.

 

Die Künstlerin
Die in Bayern geborene und in Kärnten lebende Künstlerin Elke Maier setzt sich in ihrem Werk mit künstlerischen Installationen in sakralen Räumen auseinander. Ihre Arbeiten, mit denen sie ein einzigartiges auratisches Wechselspiel zwischen Licht, Raum und Materie kommuniziert (Lenssen), wurden bereits von vielen tausenden Besuchern rezipiert und sind insbesondere im deutsch-sprachigen Raum bekannt.
2005 realisierte sie eine Rauminstallation im Innsbrucker Dom, 2008 und 2010 im Würzburger Dom, in der Kirche St. Thomas von Aquin an der Katholischen Akademie in Berlin, 2014 im Dom zu St. Stephan in Wien, 2017 in der Kulturkirche Markuskirche in Hannover, 2019 in der Moritzkirche in Augsburg, 2020 in der Studienkirche St. Josef, Burghausen und 2021 in St. Augustin in Coburg.
Elke Maier studierte von1986 bis 1993 an der Akademie der Bildenden Künste in München Malerei. Sie ist Preisträgerin des Kulturpreis Kunst & Ethos des Verlags Schnell & Steiner, Regensburg, 2019.

Weiterführende Informationen zu Künstlerin und Werk: https://elke-maier.webnode.page/ 

 

Die Ausstellung
Der Hohe Dom St. Peter und St. Georg zu Bamberg ist Bischofs-, Kapitels- und Pfarrkirche. Als Grablege seiner Stifter, des Heiligen Kaiserpaares, Heinrich II. und Kunigunde, ist er seit dem Mittelalter Ort der Memoria. Mit der Installation Elke Maiers anlässlich des Gedächtnisjahres zum 1000. Todestag von Kaiser Heinrich II. († 13. Juli 1024) wird der Kirchenraum neu und unerwartet erfahrbar. Auftraggeber des Kunstprojekts sind das Metropolitankapitel Bamberg und die Hauptabteilung Kunst und Kultur des Erzbistums Bamberg.

Führungen
Öffentliche Führung: jeden Donnerstag, 15:30 Uhr: 30 minütige Sonderführung „MEMORIA. IM LICHT“
Preis: regulär 6 € | ermäßigt 5 € | Kinder bis 18 Jahre frei
Tickets Kasse DiözesanMuseum | Treffpunkt: Foyer Museum, Domplatz 5 (links vom Dom)

Auf Anfrage auch als Gruppenführung buchbar: www.bamberger-dom.de | domus@erzbistum-bamberg.de